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Großflächige H II Nebelkomplexe unter -45°

von  Michael  Hoppe

(veröffentlich im VdS-Journal Nr. 14, II/2004, S.  31 ff.)

Neben den Magellanschen Wolken und den hellsten Kugelsternhaufen des Himmels sind u.a. auch viele der interessantesten und größten H II-Regionen  (Emissionsnebel) am Südhimmel zu finden. Südlich von -45° Deklination sind dann die Deep-Sky-Objekte zu finden, die von Mitteleuropa aus nicht beobachtbar sind.

 

Um diese Objekte des Südhimmels in ausreichender Höhe über dem Horizont beobachten zu können, muss der Beobachtungsstandort auf der Südhalbkugel sein. In Namibia,  einem beliebten Reiseziel für Amateurastronomen, sind viele Farmen auf  Astrogäste eingestellt.

Aufgrund der flächenhaften Ausdehnung dieser Objekte sind für  formatfüllende Aufnahmen oft nur kleine bis mittlere Brennweiten erforderlich.  Damit sind gute Aufnahmen von  großen Nebelstrukturen möglich. Für eine  Gesamtansicht des GUM-Nebels, der größten H II-Region des gesamten Himmels, ist  sogar ein Weitwinkelobjektiv erforderlich [1].

Ein  kurzbrennweitiger Refraktor ist ein ideales Instrument, um die großen H II-Nebelkomplexe zu  fotografieren. Mein handlicher ED-Apochromat, ein Refraktor Vixen ED 114 SS (114 mm / 600 mm), war daher auch mein Begleiter bei der Namibia-Exkursion zur Farm Tivoli im Jahre 2002 [2].

Südlich des interessanten und schönen Sternbilds Skorpion - das  alleine eine ausführliche Safari rechtfertigt [4, 5] - befindet sich das  unscheinbare Sternbild Ara  (Altar). Die größte H II-Region in diesem Bereich  ist der Nebelkomplex NGC 6188,  der auch den offenen Sternhaufen NGC 6193 enthält. Diese Nebelregion zeigt visuell mit einem UHC- oder O III-Filter viele Details, eine beeindruckende  Nebellandschaft. Bei einer Brennweite von 600 mm ist es schon fast  unvermeidlich, dass der westlich von NGC 6188 gelegene Bipolare Nebel NGC 6164/5  mit auf den Aufnahmen zu finden ist. Auch visuell ist NGC 6164/5 ein  interessantes Objekt, das sich eindeutig mit einer westlichen und östlichen Nebelschale präsentiert.

Noch weiter südlich befindet sich IC 2944 - ein Emissionsnebel, der  die Phantasie amerikanischer Beobachter zu dem Namen “Running Chicken Nebula” angeregt hat. Visuell eine “harte Nuss”, ist der Nebel fotografisch ein leichtes Objekt. Besonders interessant sind auch die westlich von dem Hauptnebel  gelegenen rundlichen Nebelbereiche mit den Bezeichnungen GUM 39 und IC 2872.  Aber auch südlich ist ein rundliches Objekt mit einer eigenen Bezeichnung zu finden - GUM 41 [6]. Bei  den “GUM-Nebeln” handelt es sich um Objekte aus dem Nebelkatalog von Colin GUM (97 Objekte), die jedoch nichts mit der bekannten  größten H II-Region des gesamten Himmels, dem "GUM-Nebel", zu tun haben. Für  die meisten dieser GUM-Nebel soll zur visuellen Beobachtung einen  H-Beta-Nebelfilter am besten geeignet sein [1]. Zur Zentrierung der H II-Region  ist der Stern Lambda Centauri sehr hilfreich.

Eines der bekanntesten H II-Emissionsgebiete ist der Nebelkomplex um  den Stern Eta Carinae. Der Nebel, der die Bezeichnung NGC  3372 trägt, hat eine Größe von rund 180´ x 120´ [3]. Damit ist zur Erfassung des gesamten Nebelkomplexes ein 300-mm-Objektiv bestens geeignet. Trotzdem macht auch eine längere Brennweite Sinn, um z. B. die  eingelagerten Dunkelnebel und weitere Details besser sichtbar zu machen. Im Vorteil ist da natürlich die Mittelformatfotografie, die bei gleicher Brennweite  eine Darstellung sowohl der Details als auch des gesamten Komplexes ermöglicht.  Nebenbei bemerkt, ist NGC 3372 bereits mit bloßem Auge sichtbar und schon in der Dämmerung als kleines Nebelfleckchen zu erkennen. Astrofotografen sollten auch einen der reichsten Sternhaufen des Himmels, NGC 3532, bei der Ausschnittswahl berücksichtigen. Eine Brennweite von 135 bzw. 200 mm ist für den Eta-Carinae-Nebel und NGC 3532 empfehlenswert, wenn beide Objekte zusammen auf  einer Aufnahme abgelichtet werden sollen.

Aber um das Feld von NGC 3372 schließen sich noch viele weitere Emissionsbereiche an. Nordwestlich, etwa auf halber Strecke zwischen dem offenen  Sternhaufen NGC 3293 und NGC 3372, befindet sich die halbmondförmige H II-Region  NGC 3324 bzw. MRSL 178 nach dem Katalog von Marsalkova (7). Aber auch der  Sternhaufen NGC 3293 selbst ist umhüllt von dem Emissions- bzw. Reflexionsnebel  GN 10.32.1.01 [7]. Noch weiter nordwestlich befindet sich ein weiterer offener Sternhaufen, IC 2581, in dessen Nähe wiederum eine H II-Region zu finden ist. Dieses Nebelgebiet trägt die Bezeichnung NGC  3247 (RCW 49).

Südlich vom bereits erwähnten prachtvollen offenen Sternhaufen NGC  3532 ist Y Carina der nächste  Haltepunkt. Hier befindet sich der offene Sternhaufen NGC 3572. Ein weiteres Grad südlich wird es wieder nebelig. Die  große H II-Region RCW 57 W + O (MRSL 197, 200) ist ein prachtvolles Objekt. Noch weiter südwestlich trifft man auf die Ausläufer des bereits erwähnten IC 2944.

 

Literaturhinweise:

[1] Stoyan, R., Binnewies, S.: GUM-Nebel und Vela SNR; interstellarum 27, S. 36  ff.

[2]  Hoppe, M.: Mit Premium-Refraktoren von Vixen unter dem Kreuz des Südens; SuW 3/2003

[3] Acker, A.: Praxis der Astronomie, Birkhäuser/Springer Verlag

[4] Stoyan, R.: Deep Sky Reiseführer, Oculum Verlag

[5] Hoppe, M.: Nebeljagd im südlichen Skorpion, SuW 7/2001, S. 586 ff..

[6] Tirion, X., Rappaport, Y., Lovi, Z.: Uranometria 2000.0 und  Deep-Sky Field  Guide, Willmann-Bell Inc.

[7] Neckel, T., Vehrenberg, H.: Atlas Galaktischer Nebel,  Treugesell-Verlag Düsseldorf

 

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