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Astrourlaub ehefreundlich gestalten

von Angelika und Michael Hoppe

(veröffentlich im VdS Journal Nr. 19, I/2006, S. 115 ff.)

Die sehr guten Beobachtungsbedingungen in Namibia sind unter Sternfreunden bekannt. Viele Veröffentlichungen und Astroaufnahmen haben eindrucksvoll die  astronomische Qualität des Standortes unter Beweis gestellt. Der südliche  Sternenhimmel läßt viele Sternfreunde von einem Urlaub in Namibia träumen. Oftmals scheitert das Projekt jedoch an den ungleichen Urlaubsvorstellungen des  Partners/der Partnerin. Dass eine gelungene Kombination aus Astrourlaub und  Familienurlaub in der Tat möglich ist, soll dieser Bericht von der Farm Tivoli zeigen.

Etwa 2 ½ Autostunden vom Flughafen Windhoek entfernt liegt die Gäste- und Astrofarm  Tivoli. Die Farm gehört Kirsten und Reinhold Schreiber, die hier ganzjährig mit  ihren beiden Söhnen Dennis und Damian leben. Verständigungsprobleme gibt es mit  der Familie Schreiber nicht, man spricht Deutsch. Immer wieder faszinierend ist die Weite dieses Landes. Für eine sinnvolle Bewirtschaftung ist in Namibia aufgrund der kargen Böden eine große Fläche erforderlich. Daher ist auch die Farm Tivoli mit 7.600 Hektar für deutsche Verhältnisse sehr groß, für  namibianische Verhältnisse jedoch nichts Besonderes. Von der Hauptstraße führt  eine Sandpiste zur eigentlichen Farm. Inmitten eines gepflegten Hofes mit Kakteen und anderen Pflanzen befindet sich das Hauptgebäude. Auf der Rückseite des Gebäudes lädt eine Terrasse mit Tischtennisplatte und Rasenfläche zu sportlicher Betätigung ein. Hier befindet sich auch der überdachte Grillplatz. Im Haupthaus öffnet sich das Esszimmer zu einem großzügigen und gepflegten Wohnzimmer. Am großen Esstisch findet das gemeinsame Frühstück und ggf. Abendessen statt. Liebevoll sind hier die Details gestaltet, so zieren z. B.  afrikanische Motive die Servietten. Es herrscht eine offene und herzliche (familiäre) Atmosphäre. Sehr interessant ist es auch, den Familienalltag in diesem fernen Land zu erleben.

Die  Unterbringung erfolgt entweder im 8-eckigen Gästehaus “Copernicus”, in den geräumigen Doppelzimmern “Kepler” oder in Einzelzimmern “Messier”. Im Gästehaus  “Copernicus” befinden sich zwei Einzelzimmer mit Dusche, WC, eine Küche mit Kühlschrank, Gasherd und Minibar sowie ein Aufenthaltsraum und eine gemütliche Terrasse. Die großzügigen Doppelzimmer “Kepler” verfügen jeweils über eigene Duschen und WC sowie eine große (Astro-)Küche mit viel Platz für das Equipment. Die Doppelzimmer öffnen sich mit einer Glasschiebetür zu einer überdachten und gemütlichen Terrasse. Auch der “Messier-Bereich” mit Einzelzimmern hat viel zu bieten. Neben Dusche, WC und Aufenthaltsraum gibt es noch zwei weitere Zimmer, u.a. einen Seminarraum. Von dem großzügigen Aufenthaltsraum fällt der Blick auf eine Rasenfläche und Palmen. Ein schöner und angenehm kühler Platz. Ferner liegen alle Zimmer in unmittelbarer Nähe zu den Sternwarten (Rolldachhütten) und  den Teleskopsäulen, kurze Wege sind garantiert! Bei allen Appartements wurde auch an Details gedacht: Steckdosenadapter und Rotlicht-Taschenlampen sind in ausreichender Menge vorhanden, und selbst Wäscheklammern für die kleine Wäsche zwischendurch liegen bereit.

 

Mit den Augen einer Frau...

Seit 1997 sind wir schon vier Mal in Namibia gewesen. Am Anfang hatte ich so meine Bedenken. Weniger davor, dass mich Raubtiere anfallen, sondern mich störten eher die kleinen Viecher wie Schlangen oder Skorpione. In den Reiseführern las man ja davon, wie gefährlich diese seien. Nach vier Aufenthalten kann ich sagen: Die Gefahr ist sehr gering. Gesehen habe ich eine Hornvieper und einen Skorpion, wenn man von dem prächtigen Sternbild einmal absieht. Die hatten aber vor mir genauso viel Angst wie ich vor ihnen.

Und dann die Sorge: Wie halte ich es aus, wenn mein Mann die ganze Nacht beobachtet und bei einer Schönwetterkatastrophe zwei Wochen nicht von seinem Teleskop wegkommt? Kein Problem - man hat endlich mal Zeit für all die Dinge, zu denen man daheim nicht kommt. Wer gerne liest, findet auf Tivoli Gelegenheit dazu, auf Wunsch auch umrahmt von ein paar streichelbedürftigen Katzen. Falls einem der Lesestoff ausgehen sollte: Die Farmbibliothek beherbergt haufenweise deutsche Bücher; vom Krimi bis zum Arztroman. Für mich gibt es nichts Schöneres, als auf der Terrasse zu sitzen, ab und zu vom Buch aufzusehen und mich an den Farben zu erfreuen, die die Farm bietet. Der rote Sand, das strohgelbe Gras, die grünen Bäume, bunte, umher fliegende Vögel. Es reizt mich dann auch sehr, aufzustehen und durch die Steppe zu wandern. Irgendwelche Tiere entdeckt man, wenn man darauf achtet, immer. Interessant ist auch das Wildtierareal. Dort klettert man auf den sonnen- und windgeschützten Hochsitz an der Salzlecke und wartet auf das, was vorbeikommt. Großwild gibt es dort jede Menge: Vom Warzenschwein bis  zum Oryx!

Auf  der Nachbarfarm ”Kiripotib” gibt es ein Projekt, bei dem afrikanische Frauen Arbeit finden. Dort werden bestickte Artikel aller Art (“Anin”) hergestellt und es ist möglich, den Frauen bei der Arbeit zusehen. Natürlich gibt es auch einen Shop, in dem man die Artikel kaufen kann. Auch auf der Farm Tivoli begegnet man den Stickereien und Nähereien in Form von Bettwäsche, Tischdecken und Servietten.

Wer gerne isst, kommt auf der Farm nicht zu kurz. Es wird hervorragend und mehr als  ausreichend gekocht. Reinhold Schreiber ist ein sehr guter Koch und zaubert immer wieder erlesene Speisen der namibianischen, deutschen und italienischen Küche auf den Tisch. Seit letztem Jahr gibt es einen überdachten Braai-Platz mit einem riesigen Grill, der auch ausgiebig genutzt wird. Gute Küche auf einer Farm ist sehr wichtig, denn es gibt ja keine Ausweichmöglichkeiten. Zu den Zimmern gehört auch eine eigene Küche, in der man sich u.a. tagsüber Kaffee oder Tee kochen kann. Butter, Brot und Käse findet man dort auch. So kann man sich z.B.  bei Wanderungen eindecken oder den kleinen Hunger zwischendurch stillen.

Und nach dem Abendessen lohnt sich ein Blick zum Himmel nicht nur dem Mann  zuliebe. Man wird förmlich erschlagen vom Anblick einer Milchstraße, die sich von Horizont zu Horizont spannt. In unserer lichtverseuchten Heimat ist so etwas schon lange nicht mehr zu sehen. Dieser atemberaubend schöne Eindruck ist unvergesslich!

Sportliche oder naturverbundene Typen werden sich in Namibia wohlfühlen, weniger solche, die Erholung nur in ausgiebigen Shopping-Orgien oder Sonnenbädern am Strand finden. Das Wasser am einige Stunden entfernten Strand  ist zu kalt und die nächste Shopping-Straße ist in Windhoek. Allerdings ist Namibias Hauptstadt mit dem Auto in akzeptablen 2 Stunden zu erreichen, nicht zu viel für eine Tagestour.

Für ängstliche Frauen: Unsicher habe ich mich nie gefühlt. In Namibia ist es nicht gefährlicher als bei uns, man muss nur die gleichen Sicherheitsregeln wie bei  uns beachten. Der Autoverkehr ist wesentlich stressfreier als in Deutschland,  nur muss man das Linksfahren in wenig üben. Mir hat es viel Spaß gemacht.

Es lohnt sich das Abenteuer Namibia zu wagen. Die klare, gute Luft und die (wirklich hörbare) Stille auf der Farm geben einem eine Ruhe, die man bei uns nicht mehr findet. Und für das Auge ist der Rand der Kalahari, wo Tivoli liegt, ebenfalls eine Entlastung, klare Farben, keine Reizüberflutung. Einfach Erholung  pur, mittlerweile ein großer Luxus.

 

Fliegen auf Tivoli

Für die Flugbegeisterten gibt es auf der Farm Tivoli noch einen besonderen Leckerbissen: Herr Schreiber bietet auf Wunsch Rundflüge mit seinem Ultraleichtflugzeug an. Die Fliegerei mit dem Ultraleichtflugzeug ist ein ganz besonderes Erlebnis, da die Maschine keine geschlossene Kabine besitzt. Es besteht aber die Möglichkeit des jederzeitigen Abbruchs des Fluges, denn die Maschine kann auch auf einer Sandpiste problemlos landen. Schon wenige Meter  über dem Boden ist der Blick kilometerweit, so sind z. B. sind die sanften, roten Dünen gerade bei Abendlicht ein atemberaubendes Erlebnis! Auch immer wieder interessant ist die Vielzahl an Tieren auf dem Farmgelände, die leicht  vom Flugzeug aus beobachtet werden kann.

Auf  der farmeigenen Start- und Landepiste ist auch die Landung von zweimotorigen  Flugzeugen möglich. Auf der Nachbarfarm bietet der flugbegeisterte Eigentümer  Rundflüge an. Ein solcher Rundflug führte uns z.B. zu den höchsten Dünen der Welt, zum bekannten Sossousvlei ein unvergleichliches Erlebnis.

 

Astronomie auf Tivoli

Die  Farm Tivoli besitzt die perfekte Infrastruktur für die Amateurastronomie: Von der Sternkarte bis zur Teleskopsäule für mitgebrachte Instrumente ist alles  vorhanden. Wem die Mitnahme von eigenem Equipment zu mühsam ist, dem bieten sich auf Tivoli auch viele Möglichkeiten.

Derzeit werden folgende, voll einsatzfähige Sternwarten (Rolldachhütten) zur Benutzung angeboten:

a) Celestron 11 (280/2.800mm Schmidt-Cassegrain) auf einer Vixen Atlux Montierung

b) Astro Physics Starfire Apochromat 127/1.040mm auf einer AP 1200 Montierung mit  diversem Equipment (u.a. 6x7 Mittelformatkamera)

c) 16 Zoll f/8 Hypergraph auf einer K100 Montierung

Ferner besteht die Möglichkeit folgende Montierungen zu mieten:

a) Losmandy G 11 Montierung mit Gemini GoTo

b) Vixen Super Polaris DX mit Sinus Steuerung und Leitrohr

c) HEQ-5 Montierung

d) NexStar GT-Plattform

e) Stativ mit Baader BP 60 Montierung

 

Vor  Ort können auch folgende Instrumente gemietet werden:

a) 10-Zoll Dobson (Mindestmietdauer 3 Tage)

b) 20-Zoll Dobson, Vermietung über die Fa. Philipp Keller, Astrooptik

c) Celestron 8, 200/2.000mm

d) Vixen Newton R 200 SS, 200/800mm

e) FH-Refraktor, 150/750mm

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Säulen mit Vixen GP/SP/-DX Anschluss für die Aufenthaltsdauer zu benutzen. Zumindest das Stativ kann daher “eingespart” werden.

Aufgrund der kurzen Wege ist eine optimale Nutzung der Nachtstunden  möglich. Spätestens bei Dämmerungsbeginn wird eingepackt und nur ein paar Meter trennen den Beobachter/Astrofotografen von seinem Schlafplatz. Zwischendurch kann der persönliche Akku jederzeit aufgeladen werden. Für einen  Mitternachtssnack oder einen Kaffee bzw. eine Cola stehen die Küchen immer zur  Verfügung. Gerne bilden sich dabei auch immer mal wieder “Plauschrunden”, wenn auch die Pausen immer sehr kurz gehalten werden, der Himmel ist einfach zu perfekt!

Wir  freuen uns daher schon sehr auf den nächsten Aufenthalt auf der Farm Tivoli, nicht nur der Astronomie wegen! Impressionen von der Farm Tivoli, Nambia und natürlich Astroaufnahmen sind hier zu  finden.


Die  Aufnahmen des Gebäudes, der Düne und des Ultraleichtfliegers stammen von Rolf Scheffer. An dieser herzlichen Dank!

 

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