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Namibia - Astronomie unter dem Kreuz des Südens

(veröffentlicht im VdS Journal für Astronomie 1/1999, S  80 ff.)

(Sternbild Skorpion mit 2.8/80mm Biometar bei Bl. 5.6 und 60 Minuten Belichtungszeit auf E 200 Prof. - Mittelformat - )

Das Traumziel für Amateurastronomen ist nach wie vor Namibia im südlichen Afrika, denn hier findet man fernab von Skybeamern und sonstiger Lichtverschmutzung den Sternenhimmel in seiner ursprünglichen Schönheit. Abseits  des Alltags findet man hier eine für europäische Augen exotische Umgebung und der Himmel hat eine Transparenz, die sehr tiefe visuelle und fotografische  Beobachtungen ermöglicht. Aber nicht nur für Amateurastronomen, sondern auch für andere Naturfreunde hat dieses Land im südlichen Afrika viel zu bieten. Jedes  Teleskop hat ja bekanntermaßen "seinen Himmel", unter einem Himmel wie in  Namibia zeigt sich aber erst die wahre Leistungsfähigkeit kleiner Teleskope. Bei einem Urlaubsaufenthalt auf der Farm Okomitundu konnten die mitgebrachten  Teleskope wie das Celestron 5 (125/1250mm Schmidt-Cassegrain) oder das Multi 80 S (80/400 FH Achromat) dies eindrucksvoll unter Beweis stellen...

Im Mai 1997 startete unsere 4 Personen Astrogruppe mit reichlich Foto- sowie  Astrogepäck in Richtung Namibia. Das Ziel war die sich im Distrikt Karibib  (postalisch Okahandja) befindende Farm Okomitundu, die Luftlinie etwa 85 km von der Hauptstadt Windhoek entfernt ist. Die Farm Okomitundu bietet neben  der Möglichkeit der amateurastronomischen Betätigung auch Gelegenheit zur  Tierbeobachtung und Mineraliensuche. Das Farmgelände umfaßt ein Areal von 11.000 Hektar und ist nur über nicht aspaltierte Strassen die sogenannte "Pads" erreichbar, die mitunter entsprechende Anforderungen an den Fahrer stellen. Bei  der Fahrt zur Farm empfindet man schon die Abgeschiedenheit und die  unbeschreibliche "Weite" dieses Landes. Überrascht waren wir von der komfortablen Unterbringung, die wir aufgrund anderer Berichte nicht erwarteten.  Auf dem Farmgelände findet man viele Wildtiere wie u.a. ca. 200 Zebras, 300-400  Kudu und etwa die gleiche Anzahl an Oryxantilopen. Auch die Vogelwelt ist sehr vielseitig und bietet neben farbenfrohen Glanzstaren und schnabelgewaltigen Pfefferfressern auch große Vögel wie z.B. die Riesentrappe oder die  flugunfähigen Strausse. Das Besondere an einem Farmaufenthalt in Namibia ist jedoch der persönliche Kontakt zu den Farmern. Unseren Gastgebern sei an dieser Stelle nochmal für die kompetente und geduldige Beantwortung unserer Fragen über  Land und Leute gedankt. Aus astronomischer Sicht bietet die Farm für den interessierten Besucher ein Celestron 8 sowie eine Vixen GP Montierung samt  Motoren und weiterem Zubehör zur freien Benutzung an. Der Beobachtungsplatz  liegt auf einer kleinen Erhebung in 5-10 minütiger Entfernung von den  Farmgebäuden und bietet eine freie 360° Horizontsicht. Angekündigt wurde übrigens, dass demnächst ein entsprechender Windschutz hinzukommen soll. Wem das  zu einsam erscheinen mag - es ist an dem Beobachtungsplatz mit nächtlichen  Geräuschen wie z.B. heulenden Schakalen zu rechnen - für den steht eine Beobachtungsmöglichkeit direkt vor der Haustür zur Verfügung.

Der erste  Sonnenuntergang zeigt dann auch schon die klare Atmosphäre, da die Sonne  gleißend hell am Horizont verschwand. Ein Schauspiel, welches sich in den  nächsten Wochen ständig wiederholen sollte, erlebten wir hier zum ersten Mal, es  war der Erdschatten, der deutlich sichtbar am Horizont zu erkennen war. Als erstes tauchten danach die dominierenden Sterne des Südhimmels wie z.B. Alpha und Beta Centauri und die Sterne des Kreuz des Südens auf. Kurz danach war in  der Dämmerung die Milchstraße und ein Nebelfleckchen namens “Eta Carinae Nebel” zu  erkennen.

(Die Abbildung zeigt die Nebelregion um Eta Carinae mit einem 2.8/180mm bei Blende 4 und 20 Minuten Belichtungszeit auf E 200 Prof - Mittelformat -)

Unsere mitgebrachte Ausrüstung bestand aus einem Celestron 5, einem  6" Maksutov, einem Multi 80 S sowie zwei kleineren "Russentonnen", die auf der  farmeigenen GP sowie einer weiteren GP-DX Montierung nachgeführt wurden. Der erste Abend und damit die Justierung der Montierungen erwies sich als schwieriger als zunächst angenommen, da die entsprechende Sternkonstellation des  Südpols nicht sehr auffällig ist. Nachdem die erste Justierung erfolgt war, gingen die entsprechenden Nachjustierungen in den kommenden Nächten jedoch wieder recht schnell.

Das Hauptziel dieser Exkursion war die Astrophotographie. Hierbei  fanden sowohl Mittelformatkameras, wie die Pentacon Six (6x6), als auch  Kleinbildkameras ihre Verwendung. Im Mittelformat wurden zunächst Aufnahmen der Milchstraße mit Brennweiten von 30-180mm und parallel dazu mit Kleinbildkameras  mit Brennweiten von 16-500mm gemacht, später folgten dann Fokalaufnahmen. Als  Filmmaterial kamen u.a. der bekannte Negativfilm Pro Gold 400 als auch der Diafilm Kodak Panther 1600 und im SW-Bereich das Fomapan-Sortiment zum Einsatz. Wie schon von anderen Exkursionen bekannt war, sind die Belichtungszeiten um das 2fache gegenüber den Ausbelichtungszeiten z.B. auf den Kanareninseln  verlängerbar. Auf diese Art gelang z.B. bei dem Lagunennebel oder dem Adlernebel  der Nachweis von schwächeren H II Regionen als bei den Astroaufnahmen von den Kanaren. Die "Tiefe" der Aufnahmen ist dadurch merklich gesteigert worden. So lagen die ästhetisch vertretbaren Belichtungszeiten des Kodak Panther 1600 bei etwa 25-30m bei Blende 4.0, eine längere Belichtungszeit wäre zwar auch noch  möglich gewesen, jedoch "brennen" in diesem Fall die Milchstraßenregionen  restlos aus. Der Pro Gold 400 zeigte seine Überlegenheit was die Wiedergabe des blauen Spektralbereichs angeht eindrucksvoll bei Nebelregionen wie z.B. dem Trifidnebel. Ferner sei erwähnt, dass der Pro Gold 400 auch das eindeutig bessere Schwarzschildverhalten zeigte. Der Kodak Panther 1600 war hingegen vor allem im roten Spektralbereich sehr empfindlich und gut zu verwenden, hinzu kam dass der Film trotz "pushen" von 400 auf 1600 ASA relativ feinkörnig blieb. Dies liegt  vor allem daran, dass dieser Film vom Kodakwerk aus für das "pushen" vorbereitet  ist. Die Negativentwicklung (SW sowie Pro Gold) wurde in der farmeigenen lichtdichten Waffenkammer (!) durchgeführt, die uns zu diesem Zweck zur Verfügung  gestellt wurde.

Besonders beeindruckend zeigte sich schon mit bloßem Auge die "E-förmige Dunkelwolke" im Sternbild Schlangenträger und auch die "Verlängerung" dieser bis zum Hauptstern des Skorpions Antares. Auf den Aufnahmen dieser Region  zeigten sich viele Dunkelwolken, wie z.B. B 72 "die Schlange", die sich markant von der Milchstraße abheben. Als atemberaubend präsentierte sich auch die vielen  Dunkelnebel z.B. im Sternbild Norma und dazu als Kontrast die mit dem bloßem Auge scheinbar bläulich-grünlich leuchtende Milchstraße. Zur visuellen  Beobachtung wurden aber auch das Celestron 5 und der 6 Zoll Maksutov eingesetzt. Das Celestron 5 beeindruckte z. B. mit Omega Centauri, dem größten Kugelsternhaufen  des Himmels, der bis ins Zentrum in Sterne "aufgelöst" erschien. Ebenfalls bis ins Zentrum "aufgelöst" erschienen die Kugelsternhaufen 47 Tuc in der Nähe der kleinen magellanischen Wolke, oder M 4 im Skorpion. Bei den Nebeln zeigte sich der, gegen Mitternacht im Zenit stehende, Trifidnebel dreigeteilt und der blaue  und rote Teil als unterschiedliche Nebel wahrnehmbar. Der Lagunennebel zeigte  sich - ohne Filter - sehr ausgedehnt und eingebettet in eine sternreiche  Milchstraßenregion. Als einer der interessantesten Nebel entpuppte sich der “Eta Carinae Nebel” der selbst im kleinsten Teleskop - Multi 80 S (80/400 FH Achromat) -  viele Nebelstrukturen zeigte. Auch der sich in der Nähe dieses Nebels befindende offene Sternhaufen NGC 3532, zeigte sich als ein vergleichbar  beeindruckendes Objekt wie h und X Persei am Nordhimmel. Bei den Galaxien seien  hier nur Centaurus A, die u.a. deutlich, selbst bei direkter Beobachtung, mit Staubring zu erkennen war, oder M 83, die Spiralstruktur offenbarte, erwähnt. Die astrophotographische Betätigung endete immer mit dem Auf- oder Untergang des Mondes, der selbst als schmale Sichel (2-3 Tage alt) Schatten warf und damit für das natürliche Streulicht sorgte. Ebenfalls "störend" zeigt sich jeden Abend und auch jeden Morgen das Zodiakallicht, das in den Morgenstunden bis zum Zenit  reichte.

Nach den vielen astronomischen Eindrücken waren wir froh, die  kullinarischen Spezialitäten (u.a. Kudu, Zebra und Oryxfleisch in verschiedensten Zubereitungsformen, aber auch andere Gerichte wie z.B. schwäbische Spätzle etc.) auf der Farm genießen zu können. An dieser Stelle sei  auch nochmal für die mehr als reichliche Verpflegung durch unsere Gastgeber gedankt.

Nach unserem Farmaufenthalt haben wir dann auch noch eine kleine Rundreise durch Namibia unternommen. Ausgehend von der Hauptstadt Windhoek fuhren wir über den Gamsbergpass bis zum Sossusvlei. In dem sogenannten  Namib-Naukluft Park befinden sich die bis zu 300m hohen rötlichen Dünen, die  wunderschöne Licht- und Farbspiele boten. Als Überraschung erwartete uns in  Sesriem, welches sich auf dem Weg zum Sossusvlei befindet, bei der Karos Lodge ein 12" Meade Schmidt-Cassegrain durch das wir einen Blick zum Mond werfen konnten. Für astronomische Kurzweil war also gesorgt. Danach ging es über den  Kuiseb-Canyon und durch die Namib ("Todesstrecke") bis nach Swakopmund an die  Atlantikküste. Hier erlebten wir deutsche Architektur der Jahrhundertwende im Wüstensand der Namib. Von da aus ging es dann zum "Matterhorn" Namibias, der Spitzkoppe, wo wir auch wiederum eine Nacht im Dachzelt unseres Fahrzeugs verbrachten. Unvergessen wird uns dabei die Sternenpracht des Südhimmels am  Lagerfeuer umrahmt von der prächtigen Kulisse der Spitzkoppe bleiben. Danach ging es dann (leider) wieder Richtung Windhoek und unser (Astro-)Urlaub neigte sich damit dem Ende zu. Wir haben jedoch beschlossen, diesen gelungenen Urlaub zu  wiederholen...

 

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