Südlicher Skorpion
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Nebeljagd im südlichen Skorpion

(veröffentlicht in Sterne und Weltraum 7/2001, S. 587  ff.)

Für manch einen Kenner des nördlichen wie auch des südlichen Himmels ist der Skorpion, der in Mitteleuropa nur zu einem kleinen Teil sichtbar ist, eines der  schönsten Sternbilder des Himmels. Auch bezüglich der Vielfalt prachtvoller  Sternhaufen, leuchtender Gasnebel und schwach schimmernder Reflexionsnebel kann sich der Skorpion mit jedem anderen Sternbild messen. Im folgenden wird eine Auswahl an sehenswerten Objekten im Skorpion vorgestellt.

Eines der schönsten Sternbilder des gesamten Himmels, das Sternbild Skorpion (lat. Scorpius), ist von Deutschland aus leider nur teilweise  beobachtbar. In klaren Sommernächten findet man tief am südlichen Horizont den Hauptstern Antares und die Scheren des Skorpions. Wenn man jedoch seinen  Sommerurlaub auf den Kanaren verbringt, d.h. auf 28° nördlicher Breite, so kann man bereits den gesamten Skorpion beobachten. Wer noch weiter nach Süden reist, beispielsweise nach Namibia, der wird den Skorpion gar im Zenit bewundern  können. Es ist ein phantastischer Anblick, wenn dort die hellsten Teile der Milchstraße und dieses markante, leicht  identifizierbare Sternbild im Zenit zu beobachten ist. Aber nicht nur für das bloße Auge, sondern auch für den visuellen Beobachter oder den Astrofotografen hat dieses Sternbild viel zu bieten: Zahlreiche H II Regionen, Reflexionsnebeln und Sternhaufen.

Der  Skorpion erstreckt sich von ca. -8,5° bis -45,5° Deklination, damit ist auch  klar, warum dieses Sternbild von Deutschland aus nicht vollständig über den  Horizont aufragt. Wenn man den Skorpion von Norden nach Süden betrachtet, so  stößt man zunächst auf a Scorpii (Antares) und die Scheren des Skorpions. Hier befindet sich neben dem hellen Kugelsternhaufen M 4 (5,8 mag, hellste Sterne ab  10,8 mag) und M 80 (7,3 mag, hellste Sterne ab 13,4 mag) eine der farbprächtigsten Regionen (Emissions- sowie blaue und orange Reflexionsnebel)  des gesamten Himmels. Dies sei jedoch nur erwähnt, da sich die Nebeljagd auf den  südlichen Skorpion beziehen soll, insbesondere auf den Bereich rund um den “Giftstachel”.

Oberhalb des Skorpionstachels fällt schon mit bloßem Auge ein offener Sternhaufen auf, der von Messier die Nummer 7 erhielt. Dieser Sternhaufen mit  etwa 60 Mitgliedern, dessen hellste Mitglieder eine Helligkeit von 6 mag erreichen, wurde bereits im “Almagest” des Ptolemäus als helles Fleckchen erwähnt (1). Unweit davon befindet sich in nordwestlicher Richtung in ca. 2° Abstand der sogenannte “Schmetterlingshaufen” M 6 (2). Dieser offene Sternhaufen  enthält etwa 70 Sterne. In unmittelbarer, westlicher Nachbarschaft befindet sich  die H II Region “RCW 132” (3). Im Bereich dieser großen, aber sehr schwachen H II Region, befinden sich die offenen Sternhaufen Trumpler 28 mit 30 Sternen, sowie  NGC 6383 mit 40 Sternen (3). Aufgrund der enormen Ausdehnung von ca. 80´ x 30´ ist RCW 132 für die Fotografie mit kleineren Brennweiten gut geeignet. Etwa 1,5°  südwestlich davon befindet sich ein Highlight der Nebeljagd, nämlich die H II  Region NGC 6357 (25´). Diese schwache, aber reich strukturierte Region enthält  den offenen Sternhaufen Pismis 24. Eine kleine Einstellhilfe bildet eine Sternenkette von sechs Sternen, wobei vier Sterne in einer Linie stehen und der nördlichste Stern in nordöstlicher und der südlichste in südwestlicher Richtung von der Kette abweicht. In etwa 1° Abstand befindet sich dann eine weitere  berühmte H II Region, die sogar einen Eigennamen erhielt, nämlich der “Katzenpfotennebel” NGC 6334 = RCW 127 (35´ x 20´). Auf Fotografien kann man  besonders schön - mit einem wenig Phantasie - die Tatzenabdrucke des Kätzchens  erkennen. Um die Objekte NGC 6334 und 6357 gut beobachten zu können, wird jedoch  viel Öffnung und ein Nebelfilter (UHC Filter) benötigt. Eine Sichtung war zwar schon mit meinem Starfire Apochromat 130/780mm + 40mm Okular (AP 6,5) + O III Filter möglich, jedoch waren die Objekte sehr schwach und verlangten geradezu nach mehr Öffnung. NGC 6357 und NGC  6334 sind etwa 5.000 Lichtjahre von uns entfernt und sind im Sagittariusarm unseres Milchstraßensystems beheimatet. Beide Nebel sind in Wirklichkeit größer und heller als der Orionnebel. Ihr Licht ist jedoch von interstellaren  Staubwolken um ca. 4 mag geschwächt. Deshalb erscheinen sie uns sehr  lichtschwach.

Ein  berühmter “proto-planetarischer Nebel” ist NGC 6302 ( 9,6 mag), der den Namen “Bug-Nebula” erhielt, befindet sich etwa 1° südwestlich von NGC 6334. Dieser Nebel kann schon mit kleineren Brennweiten auf rotempfindliche Emulsionen nachgewiesen werden, zum Erkennen seiner Struktur snd jedoch längere Brennweiten erforderlich. Noch weiter südwestlich befindet sich in ca. 3° Entfernung der  Emissionsnebel IC 4628 mit dem Sternhaufen Trumpler 24 und Collinder 316 (4). In unmittelbarer südlicher Nachbarschaft befindet sich NGC 6231, einer der  schönsten Sternhaufen des Himmels.

Weitere beobachtenswerte Objekte im Skorpion blieben ungenannt,  sollte dieser Beitrag doch nur einen Anstoß für eigene Deep-Sky Beobachtungen im Bereich des Sternbilds Skorpion sein. Viel Spaß beim Beobachten!

Literaturhinweise:

(1)  Praxis der Astronomie, Agnes Acker, Verlag  Birkhäuser/Springer

(2)  Atlas für Himmelsbeobachter, Erich Karkoschka, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH

(3)  Uranometria 2000.0 + Deep Sky Field Guide, Tirion, Rappaport, Lovi, Willmann-Bell, Inc.

(4)  The Night Sky Observer´s Guide, Volume 2, Spring and Summer, George R. Kepple und Glen W. Sanner, Willmann-Bell, Inc.

(5)  Atlas Galaktischer Nebel Teil I - III, Thorsten Neckel, Hans Vehrenberg,  Treugesell-Verlag, Düsseldorf

 

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