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Pronto - Der ED-Refraktor von Tele Vue

(veröffentlicht in Sterne und Weltraum 10/2000, Seite 894  ff.)

Der  handliche ED-Refraktor (70/480mm) von TeleVue bietet eine sehr gute Abbildung in Verbindung mit hervorragender mechanischer Verarbeitung. Der große Okularauszug (2 Zoll) ermöglicht unter Verwendung von Großfeldokularen ein sehr großes Gesichtsfeld von 5,5°. Der beliebte Refraktor soll im folgenden näher  vorgestellt werden.

Lieferumfang

Den Refraktor Pronto von TeleVue gibt es als Spektiv und als Teleskop-Version. Die  jeweiligen Grundausstattungen unterscheiden sich dabei nur hinsichtlich des  mitgelieferten Zubehörs. Die Teleskop-Version wird mit einem 2 Zoll Zenitspiegel und die Spektiv-Version mit einem 1 1/4 Zoll Amiciprisma für terrestrische Beobachtungen ausgeliefert. Wenn jedoch eine überwiegende Verwendung für astronomische Beobachtungen geplant ist, so sollte, aufgrund der mit 2 Zoll Zubehör  möglichen größeren Gesichtsfelder, die Teleskop-Version bevorzugt werden. Wer  die Optik des Pronto haben möchte, aber mit einer schlichteren Mechanik  zufrieden ist, kann zur  Version “Ranger” greifen. Dieses Teleskop, dass nur über  einen 1 1/4 Zoll Okularauszug verfügt, ermöglicht jedoch aufgrund dieses Okularauszugs nur noch Gesichtsfelder von max. 3,3°.

Ferner wird die folgende, bei beiden Pronto Versionen, identische  Grundausstattung mitgeliefert: Eine sehr gut verarbeitete Rohrschelle mit Fotostativanschluß (1/4 Zoll), massive Reduzierhülse 2 Zoll auf 1 1/4 Zoll (schwarz eloxiertes Aluminium), 20mm Plössl Okular (1 1/4 Zoll) sowie ein Softcase. Das Softcase ist schaumgepolstert und ermöglicht nicht nur die sichere Unterbringung des Teleskops, sondern auch die eines 2 Zoll Zenitspiegels, zweier 2 Zoll Okulare und  vier weiterer Okulare (1 1/4 Zoll). Optional ist mit etwas Geschick auch anderes Zubehör unterzubringen.

Mechanik und Optik

Der  erste Eindruck von der mechanischen Qualität ist sehr gut, so ist der Okularauszug leichtgängig und aufgrund der großen Einstellknöpfe, auch bei winterlichen Beobachtungen, gut einstellbar. Die Klemmung z.B. für fotografische Zwecke ist problemlos und beständig. Der massive Tubus macht den Eindruck auch kleinere “Unfälle” gut verkraften zu können, erstaunlich ist daher das geringe Gewicht von nur 2 kg (Tubus + Optik + Rohrschelle). Eine weitere Besonderheit  ist die ausziehbare Taukappe, die die Baulänge des Teleskops nicht verlängert. Die Baulänge des gesamten Teleskops beträgt nur ca. 37 cm. Insgesamt ist das Pronto somit ein mechanisch sehr solide verarbeitetes Instrument.

Die  leistungsfähige ED-Optik besteht aus einer zweilinsige Konstruktion, die eine gute Korrektur der chromatischen Aberration bietet. Ein Restfarbfehler ist vorhanden, machte sich jedoch nur bei der Planetenbeobachtung bemerkbar. Das Öffnungsverhältnis von 1:6,8 liegt im üblichen Rahmen heutiger kurzbrennweitiger Refraktoren und damit ist der Refraktor auch für Deep-Sky Fotografen interessant.

Visuelle Beobachtung

Trotz der bescheidenen Öffnung von 70mm sind doch viele Beobachtungen  möglich, die man auf den ersten Blick nicht in dieser Leistungsklasse erwartet. Unter Verwendung eines Lumicon UHC bzw. eines O III Filters und eines 40mm (Austrittspupille - AP - 5,8) bzw. 28mm (AP = 4,0) Okulars, waren u. a. folgende Objekte unter Landhimmel (ca. 5,5 bis 5,7 mag) beobachtbar:

NGC 2244 (Rosettennebel): Eine ringförmige Nebelmasse mit Strukturen, die deutlich ein zentrales Loch zeigte.

NGC 7000 (Nordamerikanebel): Die Struktur des  nordamerikanischen Kontinents war gut zu erkennen und daneben, an der  Leistungsgrenze, der Pelikannebel (IC 5067/70).

Cirrusnebel: Der östliche Bogen (NGC 6992/5) und auch der  “Sturmvogel” um 51 Cygni (NGC 6960) waren gut zu erkennen, wie auch, allerdings sehr schwach, der mittlere Teil (Pickering´s Triangular Wisp). Das besondere jedoch war die Tatsache, dass alle drei Teile des Cirrusnebels gleichzeitig ins Gesichtfeld passten.

Positiv bemerkbar machte sich hierbei natürlich die große  Austrittspupille (AP = 5,8) und die Verwendung eines Linienfilters (O III). Die  seit einigen Jahren erhältlichen Nebelfilter machen dabei oft den Unterschied zwischen Sehen und Nichtsehen aus. Ãsthetisch besonders ansprechend sind die nadelfeinen Sterne die die ED-Optik liefert. Das enorme Gesichtsfeld (5,5°) ermöglicht mit entsprechend langbrennweitigen Okularen “Feldstecherbeobachtungen”, wie z.B. die gleichzeitige Beobachtung des  Orionnebels und der Gürtelsterne des Himmelsjägers. Gegenüber dem Feldstecher  ist jedoch die Möglichkeit der Verwendung kurzbrennweitiger Okulare und damit  höherer Vergrößerungen gegeben, die viele Details erst erkennbar machen.

Die Planeten zeigten sich kontrastreich und sehr scharf, jedoch  zeigte sich, bei höherer Vergrößerung, insbesondere bei den hellen Planeten ein bläuliches Halo. Jupiter SEB und NEB nebst weiteren Details und Mondschattendurchgänge waren beobachtbar. Saturn zeigte sich mit Wolkenstreifen.  Auf Mars waren die Polkappe und Oberflächeneinzelheiten erkennbar (Opposition  99).

Astroforografie: Hinsichtlich der Verwendung des ED-Refraktors für fotografische Zwecke bietet TeleVue einen speziellen Bildfeldkorrektor an. Dieser Bildfeldkorrektor verlängert jedoch die Brennweite geringfügig auf 520mm und das Öffnungsverhältnis auf 1:7,4. Die damit erzielbare Abbildungsqualität  ist jedoch hervorragend, da das gesamten Kleinbildformat ausgeleuchtet wird und auch über das gesamte Format die Abbildungsqualität erhalten bleibt. Dem Astrofotografen steht damit ein Instrument zur Verfügung, welches großflächige Deep-Sky Objekte (Nordamerika-Nebelkomplex, Cirrusnebel, Eaglenebel etc.) in  einer sehr guten Qualität abbilden kann.

NGC  6357 (Rosennebel) und NGC6334 (Katzenpfotennebel)

Zusammenfassend ist daher zu sagen, dass mit dem Pronto ein sehr gut verarbeiteter, handlicher ED-Refraktor erworben werden kann, der visuelle  Beobachtungen mit großem Gesichtsfeld (5,5°) und sehr gute fotografische Möglichkeiten eröffnet. Einziger Wehmutstropfen ist der Preis des Instruments, der jedoch, im Vergleich mit ähnlich hochwertigen Refraktoren dieser Leistungsklasse, im üblichen Rahmen liegt.

 

Literaturhinweise:

1) Visuelle Beobachtung galaktischer Nebel, H. Buse, J. Ruppel,  SuW 6/1988, S. 381 ff.

2) Hinweise zur visuellen Deep-Sky-Beobachtung, J. Ruppel, SuW 5/1991, S. 320 ff.

3) Supernovareste visuell, Teil II, Sommerhimmel, R.C. Stoyan, Interstellarum Nr. 4, S. 18 ff. 

 

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