Vixen ED 102 SS und 114 SS
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Mit  den Premium Refraktoren Vixen ED 102 SS sowie 114 SS unter dem Kreuz des Südens

von Michael Hoppe

(veröffentlicht in Sterne und Weltraum 3/2003, S. 81 ff.)

Der  klare, tiefblaue Himmel Namibias bietet beste Beobachtungsmöglichkeiten für  Sternfreunde und damit traumhafte Bedingungen für den Test von astronomischen Optiken. Grundsätzlich kann jedoch auf Flugreisen der Transport von Teleskopen aufgrund der Einschränkungen beim Reisegepäck Probleme bereiten. Die Premium  Refraktoren ED 102 SS sowie ED 114 SS von der Fa. Vixen können jedoch im Handgepäck transportiert werden. Der folgende Erfahrungsbericht, der auf der Farm Tivoli entstand, soll einen kleinen Überblick über die Möglichkeiten mit diesen Instrumenten geben.

Die  lange geplante Astroexkursion nach Namibia führte unsere Astrogruppe (Angelika  & Michael Hoppe, Barbara & Harald Kavel, Michael Schlünder, Helmut  Swade, Christoph Egerding) im Mai/Juni 2002 zur Farm Tivoli. Dort wurden wir sehr herzlich von der Familie Schreiber aufgenommen und versorgt, verlebten  kurze Tage und lange sternklare Nächte. Die Transparenz des namibischen Himmels  war einfach atemberaubend; die Milchstraße zog sich als helles bläulich-grünlich  leuchtendes Band über den gesamten Himmel und viele Deep-Sky Objekte waren schon mit bloßem Auge zu sehen. Unter diesen Bedingungen sollten die beiden Refraktoren ED 102 SS und 114 SS visuell und fotografisch getestet werden.

Refraktoren für Astrotouristen

Wer  schon einmal eine große Astromesse besucht hat oder einfach nur die Anzeigen in Fachzeitschriften verfolgt, der trifft auf eine Vielzahl von Refraktoren für die unterschiedlichsten Zwecke und Geldbeutel. Während man insbesondere bei visueller Beobachtung und schwacher Vergrößerung mit einem kurzbrennweitigen  achromatischen Fraunhofer-Refraktor (Kometensucher) zufrieden sein kann, trübt bei mittlerer bis höherer Vergrößerung ein nicht unerheblicher Farbfehler die  Beobachtungsfreude. Es gibt jedoch auch kompakte, lichtstarke Refraktoren mit sehr guter Eignung für die Astrofotografie und für kompromißlosen Beobachtungsspaß, allerdings sind diese Systeme auch erheblich teurer. Es sind u.a. exotische Glassorten wie z. B. ED- Glas (EXTRA LOW DISPERSION) oder  Fluorit, die es heute den Teleskopherstellern ermöglichen, lichtstarke  Instrumente mit hervorragenden Abbildungseigenschaften herzustellen. Im Öffnungsbereich bis zu fünf Zoll (130mm) Öffnung sind diese Refraktoren darüber  hinaus sehr kompakt, transportabel und somit auch als Reiseinstrumente geeignet.

Der  Traum vieler Astrotouristen und Sternfreunde, die die Vorzüge kompakter Refraktoren zu schätzen wissen, ist daher ein kurzbrennweitiges und  leistungsstarkes Instrument. Viele Hersteller kommen dem Bedarf nach und bieten daher mittlerweile lichtstarke Refraktoren mit apochromatischen Abbildungseigenschaften an; z.B. Astrophysics, Pentax, Vixen, Takahashi, TeleVue, TMB usw.

Vixen ED 102 SS und 114 SS

Auch die Fa. Vixen hat in den letzten Jahren ihr Sortiment im  Refraktorbereich erheblich erweitert. Die erweiterte Produktpalette umfasst neben “Neo-Achromaten”, bei denen zwei zusätzliche Linsen im Okularauszug für  eine verbesserte Farbkorrektur und Bildfeldebnung sorgen, auch “ED-Apochromaten”  (80 bis 130mm). Die “ED - Apochromaten” (Zweilinser) bestehen aus ED-Glas, welches eine extrem geringe Dispersion aufweist und damit Farbfehler minimiert.

Der  zweilinsige ED 102 SS (102/660mm) ist ein sehr leichtes Instrument, sein Gewicht  beträgt nur 3,3 kg. Die Optik befindet sich in einem sehr sauber verarbeiteten, weiß lackierten Tubus mit 60-mm-Okularauszug. Im Lieferumfang ist jedoch nur eine 1 ¼ Zoll Okularhülse enthalten. Ich empfehle jedoch die 2-Zoll-Okularhülse,  welche auf Wunsch erhältlich ist. Der Tubus einschließlich der Taukappe hat die Maße 115 x 752 mm. Die Baulänge ist zwar sehr kompakt, aber mit diesen Abmessungen passt der Tubus leider nicht mehr ins Handgepäck. Es ist somit erforderlich, die Taukappe und / oder den  Okularauszug abzunehmen, um die vorgeschriebenen Abmessungen für das Handgepäck einzuhalten. Ferner gehört zum Lieferumfang, u.a. in der Optik-und-Tubus-Version (OTA), auch ein guter 6x30 Sucher.

Der  etwas größere Bruder, der ED 114 SS (114/600mm), verfügt auch über ein  zweilinsiges ED Objektiv, jedoch zusätzlich über eine weitere Linse im Okularauszug, die insbesondere der Bildfeldebnung dient. Die übrige Ausführung ist mit dem ED 102 SS identisch, allerdings ist der Tubusdurchmesser des 4 ½ Zöllers etwas größer und der Tubus ist auch unwesentlich länger (140 x 758 mm).  Ferner ist der Tubus mit 4,4 kg um 1/3 schwerer als der des ED 102 SS, aber  immer noch sehr angenehm zu transportieren. Positiv zu vermerken ist der vielleicht für den Optikdurchmesser des Teleskops etwas übertrieben große 7 x  50 Sucher, der auch in der OTA-Variante zum Lieferumfang gehört. Unser  Testinstrument verfügte jedoch nur über einen 6x30 Sucher, der jedoch in  Namibia zum “Finder” wurde. So konnten z.B. NGC 5128, M 83 usw. direkt eingestellt werden.

(Abbildung: M 8 - Lagunennebel - Belichtungszeit 30 Minuten auf E 200 Prof.)

Für  beide Instrumente gilt: Ein erster Blick auf die Multivergütung der Optiken zeigte einen grünlichen Schimmer und keine Reflexe. Der 60mm Okularauszug bietet 130mm Fokussierweg mit der Möglichkeit der Fixierung (Feststellschraube). Im  Lieferumfang ist ferner ein Metalldeckel für die Optik enthalten. Auf Wunsch  sind sauber verarbeitete Rohrschellen mit Filzauflage und Fotogewinde (1/4 Zoll) oben und unten, alternativ mit Fotoschraube für Objektive/Leitfernrohr,  erhältlich. Die fokussierbaren Sucher haben eine Schwalbenschwanzaufnahme und können somit problemlos abgenommen und wieder aufgesteckt und geklemmt  werden.

Nachteilig ist die Transportverpackung der Refraktoren, die leider serienmäßig nur aus einem Styropor-Pappkarton besteht. Empfehlenswert sind die auf Wunsch vom Generalimporteur erhältlichen  Transporttaschen.

Visuelle Beobachtung

Als  Testobjekt für die Beurteilung der visuellen Korrektur des Farbfehlers dienten helle Sterne. Zuerst kam als Okular das LV 30mm zum Einsatz (20 bzw. 22fache Vergrößerung), mit dem u.a. Alpha Centauri in beiden Instrumenten  farbrein erschien. Als nächstes wurde mit dem Okular LVW 3,5mm eine starke Vergrößerung gewählt: Beim ED 114 SS vergrößert das Okular 171fach und liefert eine Austrittspupille von AP=0,67mm, beim ED 102 SS vergrößert es 188fach, mit AP=0,54mm. Bei sehr penibler Betrachtung zeigte der ED 114 SS mit  Bildfeldkorrektor bei dieser Vergrößerung einen schwachen blauen Hof. Ohne Bildfeldkorrektor konnte keine Verbesserung der Farbkorrektur erzielt werden,  insofern kann daher m. E. der Bildfeldkorrektor auch bei der visuellen Beobachtung im Tubus verbleiben. Im ED 102 SS präsentierte sich u.a. Alpha Centauri nahezu farbrein. In diesem Zusammenhang darf nicht vergessen werden,  dass der ED 114 SS eine größere Öffnung (114 mm zu 102 mm) und ein noch schnelleres Öffnungsverhältnis (f/ 5,3 zu f 6,6) besitzt.

Ferner zeigten beide Optiken gleichmäßige, konzentrische Beugungsringe und keinerlei Anzeichen von Astigmatismus. Besonders zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang auch die feinen Sternpünktchen, die den ästhetischen  Reiz eines solchen Apo´s ausmachen und auch für die hervorragende Abbildungsqualität sprechen.

Gemäß dem Katalog des Generalimporteurs sollen die Refraktoren über  ein theoretisches Auflösungsvermögen von jeweils 1,1 Bogensekunden verfügen (1). Für einen Refraktor mit Objektivdurchmesser D berechnet sich gemäß (2) das Auflösungsvermögen bei der Wellelänge l wie folgt:

A =  ( l / D x 206265”) x 1,22 (Multiplikation mit dem Faktor 1,22 nach  Airy)

Somit ergibt sich bei l = 555nm ein theoretisches Auflösungsvermögen von 1,36” für den ED 102 SS sowie von 1,22” für den ED 114 SS.

Es war spannend, zu überprüfen wie nahe die Refraktoren in der Praxis an dieses theoretische Auflösungsvermögen heran kommen würden. Für das Erreichen des  maximalen Auflösungsvermögens (Rayleigh-Kriterium) sind gleich helle Doppelsternpartner, gleiche Farben und entsprechendes Seeing erforderlich.

(Abbildung: Kugelsternhaufen NGC 6723 und Reflexionsnebel NGC 6726-7, Belichtungszeit 30 Minuten auf E 200 Prof.)

Zum  Einstieg wurde Alpha Crux ausgewählt, der bei einem Abstand der Komponenten von  4 Bogensekunden in beiden Instrumenten sauber getrennt mit Zwischenraum erschien  (Okular LVW 3,5mm). Als richtiger Testkandidat kam dann Gamma Corona Australis  an die Reihe, ein Sternpaar (4,8/5,1 mag) mit nur 1,3 Bogensekunden Abstand  (3-5). Als Okular wurde wieder das LVW 3,5mm eingesetzt. Mit dem ED 114 SS war  der Doppelstern schön getrennt mit dunklem Zwischenraum. Der ED 102 SS löste  auch beide Komponenten auf, jedoch erschienen beide Komponenten mehr als “8” und nur in den Momenten größter Luftruhe war ein kleiner, dunkler Zwischenraum zu  erkennen. Insgesamt erbrachten beide Instrumente also eine wirklich sehr gute  Leistung, wobei der Refraktor ED 114 SS eindeutig die Nase vorn  hatte.

Die  nächsten Testkandidaten waren Deep-Sky Objekte, von denen hier einige Beobachtungen beispielhaft dargestellt werden sollen:

NGC 6188 (H II, Ara):

Okular + Filter: 30mm LV mit Lumicon O III (20 bzw. 22fache  Vergrößerung)

Der  Emissionsnebel NGC 6188 erschien in beiden Instrumenten hell und strukturreich, mit dichteren Bereichen und Dunkelwolken. Die Größe der H II Region sprengte jedoch das Gesichtsfeld, konnte aber gut abgefahren werden.  Im ED 102 SS  erschien der Nebel etwas schwächer, welches wahrscheinlich insbesondere an der  kleineren AP lag (AP 5,7 “ ED 114 SS“ zu AP 4,6 “ ED 102 SS” ).

(Abbildung: NGC 6188, Belichtungszeit 30 Minuten auf E 200 Prof.)

 

NGC 4945 (GX, Cen):

Okular: 16 mm Nagler (38fach “ AP 3.0 bzw. 41fach “ AP 2,5”)

 

In beiden Instrumenten erschien die Galaxie hell und länglich, ohne Kern und mit Andeutungen von Dunkelwolken.

 

(Abbildung: NGC 4945, Belichtungszeit 30 Minuten auf E 200 Prof.)

 

 

 

 

M 83 (Gx, Hydra):

Okular: dito

Die  Galaxie erschien in beiden Instrumenten mit sternförmigen Kern, der von einem  großen ovalen Halo umgeben zu sein schien. Bei längerer Betrachtung konnten wir  auch den Balken sowie den südlichen und nördlichen Spiralarm ausmachen. Der Unterschied zwischen beiden Instrumenten war lediglich der, dass mit dem ED 114 SS ein paar schwächere Feldsterne gesichtet werden  konnten.

(Abbildung: M 83, Belichtungszeit 30 Minuten auf E 200 Prof.)

 

Helixnebel (PN, Aquarius):

Okular: dito

In beiden Instrumenten ein schöner Rauchring, der auch die namensgebende  Doppelhelix zeigte. Der Zentralstern war nicht zu erkennen.

 

(Abbildung: Helixnebel, Belichtungszeit 30 Minuten auf E 200 Prof.)

 

 

Katzenpfotennebel NGC 6334 (H II, Sag):

Okular + Filter: 30mm LV + Lumicon UHC

Die  Abdrücke des Kätzchens waren in beiden Instrumenten sehr schwach und nur bei längerer Beobachtung sichtbar. Ein Objekt nur für geübte Beobachter. Mit dem ED 114 SS war es mit Mühe sichtbar und mit dem ED 102 SS hart an der absoluten  Wahrnehmungsgrenze. Am Rande sei erwähnt, dass ein Lumicon O III Filter gegenüber dem UHC Filter beim Nebel keinen Kontrastgewinn brachte  (6).

(Abbildung: Katzenpfotennebel, Belichtungszeit 30 Minuten auf E 200 Prof.)

 

Astrofotografie

Das  Haupteinsatz- und Testgebiet stellte jedoch die Deep-Sky-Astrofotografie dar. Vorab sei gesagt, dass beide Instrumente für astrofotografische Anwendungen sehr gut geeignet sind (ED Optik, 60mm Okularauszug, Bildfeldebnungslinse beim ED 114  SS usw.).

Für  beide Instrumente gilt: Der große 60-mm-Okularauszug ermöglicht in Kombination  mit dem optional erhältlichen Fokaladapter eine sehr gute Ausleuchtung des Kleinbildformats. Der Anschluß an eine Kleinbild-SLR-Kamera erfolgt über einen entsprechenden T-2 Adapter, wobei der vignettierende Innenring des T-2-Adapters herausgenommen wird.

Der  “schnelle” Vixen ED 114 SS mit seinem Öffnungsverhältnis f/5,3 konnte auch  hier seine Stärken voll zur Geltung bringen. Die fest eingebaute Bildfeldebnungslinse bewirkt eine sehr gute Ebnung des Bildfeldes. Auch eine Vignettierung konnte beim ED 114 SS nicht festgestellt werden und selbst helle Sterne zeigten auf den Aufnahmen keine Spur von chromatischer Aberration (Farbfehlern).

Mit  f/6.6 ist der ED 102 SS nur um ca ½ Blende langsamer. Auch dieses Instrument zeigte ein sehr gut geebnetes Bildfeld - ein unter Berücksichtigung der  fehlenden Bildfeldebnungslinse - überraschend gutes Ergebnis. Bei sehr penibler Betrachtung konnte in den äußersten Bildecken eine ganz leichte Vignettierung festgestellt werden. Wie schon auf den Aufnahmen mit dem ED 114 SS zeigten auch die Aufnahmen mit dem ED 102 SS selbst bei hellen Sternen keinen Farbsaum.

Für  beide Instrumente (ED 102 SS  f/4,9 bzw. ED 114 SS f/4.4) ist ein Telekompressor erhältlich, der von uns nicht getestet wurde. Wer den ED 102 SS z. B. im Mittelformat einsetzen möchte, für den gibt es eine Alternative: Den Vixen DED 108 SS. Dieser Refraktor verfügt über einen entsprechend dimensionierten Okularauszug sowie eine u. a. für die Mittelformatfotografie konzipierte  Bildfeldebnungslinse. Wer eine noch größere Öffnung haben möchte, für den gibt es von Vixen noch einen 130mm ED-Apochromaten (f = 860 mm). Man darf auch  gespannt sein, ob Vixen das Angebot an ED-Refraktoren in Zukunft noch erweitert.

 

Fazit

Mit  dem ED 102 SS sowie ED 114 SS hat Vixen zwei leistungsstarke ED-Refraktoren im  Programm, die auch gehobenen Ansprüchen gerecht werden. Visuell und fotografisch haben beide Instrument überzeugt und z.T. sehr positiv überrascht. Das enorme Auflösungsvermögen und auch die Abbildungsqualität sprechen für sich, hinzu kommt das geringe Gewicht, daher können diese Instrumente u. a. für  Astrotouristen und insbesondere für Astrofotografen nur empfohlen  werden.

 

Literaturhinweise:

(1) Hauptkatalog der Fa. Vixen (2000), Generalvertretung für Deutschland und Österreich durch die Fa. Vehrenberg KG,  Meerbusch-Osterath

(2) Wolfgang Paech, Thomas Baader, Tipps & Tricks für  Sternfreunde, Verlag Sterne und Weltraum

(3) Erich Karkoschka, Atlas für Himmelsbeobachter, Franckh-Kosmos  Verlags-GmbH

(4) Kepple & Sanner, The Night Sky Observer`s Guide, Volume 2, Spring & Summer

(5) Ronald Stoyan, Deep Sky Reiseführer, Oculum Verlag

(6)  Michael Hoppe, Nebeljagd im südlichen Skorpion, SuW 7/2001, S.586 ff

 

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